Aufbau der Seminare und NF!T® Bausteine
Modul Mund: Funktionelle Harmonie und therapeutische Neuausrichtung
Im Zentrum unserer therapeutischen Arbeit im Modul Mund steht die tiefgreifende Analyse und Korrektur von Abweichungen der essenziellen Mundfunktionen. Ob Atmung, Saugen, Beißen, Kauen oder Schlucken – weichen diese Standardfunktionen von der Norm ab, hat dies oft weitreichende Folgen für die gesamte Physiognomie und Lebensqualität. Ein häufiges Krankheitsbild ist der habituell offene Mund, meist resultierend aus einer eingeschränkten Nasenatmung. Da klassische Schluckübungen hier oft an ihre Grenzen stoßen, setzen wir auf einen ganzheitlicheren Ansatz, um Zahnfehlstellungen und ödematösen Gesichtsveränderungen nachhaltig entgegenzuwirken.
Ein wesentlicher Pfeiler unserer Arbeit ist die Vermittlung fundierter Anamnese- und Diagnosekriterien. Diese bilden das Fundament für eine gezielte NF!T®-Therapie, deren Ziel es ist, die Gesichtsstruktur sowie die funktionellen Abläufe dauerhaft zu verbessern. Das Anwendungsspektrum unserer Methode ist dabei bewusst breit gefächert: Sie bietet hocheffektive Lösungsansätze für Kinder mit Sprach- und Sprechstörungen, Fütter- und Nahrungsaufnahmestörungen sowie für Patienten mit Dysphagien (Schluckstörungen) und Dysarthrien. Auch bei degenerativen Erkrankungen, die mit Einschränkungen der Sprach-, Sprech- und Schluckfunktionen einhergehen, sowie bei Stimmstörungen, Gesichtslähmungen (Paresen) und der sensiblen Begleitung der Sondenentwöhnung setzen wir diese gezielten Reize ein.
Besonderes Augenmerk legen wir auf spezialisierte Bahnungsübungen. Diese sind so konzipiert, dass sie die Wahrnehmung und die motorischen Fähigkeiten im Gesichtsbereich selbst bei schwersten Beeinträchtigungen fördern können. Die Wirksamkeit dieser Methoden reicht weit über die klassische myofunktionelle Therapie hinaus: Sie erzielen bemerkenswerte Erfolge bei komatösen Patienten oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen und zeigen ebenso erstaunliche Veränderungen bei typischen Störungsbildern wie Zähneknirschen, Speichelinkontinenz oder einem vorverlagerten Würgereflex.
Die vier Seminartage sind bewusst sehr intensiv gestaltet, um den Teilnehmern ein Maximum an praktischer Anwendung zu vermitteln. Wir legen großen Wert auf die Selbsterfahrung: Alle Teilnehmer führen die Übungen aktiv selbst aus, um die fördernden und bahnenden Wirkungen direkt zu erleben. Den fachlichen Abschluss bildet der letzte Seminartag, an dem wir das Erlernte durch das Besprechen von Fallbeispielen und das Erstellen individueller Behandlungspläne festigen. So verlassen Sie den Kurs mit einem klaren, direkt umsetzbaren Konzept für Ihren Praxisalltag.
Modul Auge: Die Schlüsselrolle der Augen für Neurologie und Lernprozesse
Das Modul Auge widmet sich einer der fundamentalen Fragen der neurologischen Entwicklung: Welche Impulse benötigen die Augen, um als wichtigster Informationsgeber für unser Gehirn optimal zu funktionieren? In diesem Seminar betrachten wir die Augen nicht isoliert, sondern als zentralen Ankerpunkt für das Nervensystem.
Die Augenmotorik ist weit mehr als nur das Bewegen der Augäpfel – sie ist direkt mit der Steuerung unseres Nervensystems verknüpft und spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung und Verarbeitung von Umweltreizen. Eine präzise Augensteuerung ist die Voraussetzung für eine gesunde Neugier und die Fähigkeit zur Einordnung von Informationen. Wenn die Zusammenarbeit der Augen gestört ist, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten Lernprozess.
Oft werden Schwierigkeiten bei Blickfolgebewegungen fälschlicherweise als Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Konzentrationsstörung interpretiert. Dabei liegt die Ursache häufig darin, dass das Gehirn zu viel Energie für die reine Steuerung der Augen aufwenden muss, wodurch Kapazitäten für die inhaltliche Verarbeitung fehlen. Dies zeigt sich deutlich, wenn Kinder Schwierigkeiten haben, Linien beim Schreiben zu folgen oder den Fokus zwischen Tafel und Heft zu wechseln.
Wir präsentieren Ihnen hocheffektive Übungen, die auf die funktionelle Vernetzung des Sehsinns mit dem gesamten Körper abzielen. Sie lernen Methoden kennen, die die Augenmotorik verbessern und so das Nervensystem entlasten und stabilisieren.
Wie in all unseren Modulen ist die Fortbildung durch eine hohe Intensität und einen starken Praxisbezug geprägt. Durch die Selbsterfahrung der Übungen erleben Sie direkt, wie die gezielte Förderung der Augen die visuelle Koordination und die mentale Leistungsfähigkeit steigert. Den Abschluss des Seminars bildet die fundierte Arbeit an Fallbeispielen und das Erstellen individueller Behandlungspläne, damit Sie die NF!T®-Ansätze sofort sicher in Ihren Praxisalltag übertragen können.
Modul Hände: Das Fundament von Begreifen und Sprechen
Was haben unsere Hände eigentlich mit der Sprachentwicklung zu tun? Eine ganze Menge. Das Modul Hände widmet sich der faszinierenden Verbindung zwischen der manuellen Geschicklichkeit und der kognitiven sowie sprachlichen Reife. Innerhalb unserer NF!T®-Fortbildungsreihe nimmt dieses Modul im zweiten Block (Augen·Hände·Körper) ca. 4,5 Stunden ein und bildet eine essenzielle Brücke zwischen Motorik und Kognition.
Die Fähigkeit, Objekte präzise zu greifen und zu manipulieren, schafft die Grundlage für das Verständnis von Ursache und Wirkung, Raum und Größe. Indem wir unsere Umwelt buchstäblich „begreifen“, bauen wir die neuronalen Voraussetzungen für unseren Wortschatz und die Fähigkeit zur Kommunikation auf. Unser Tastsinn fungiert dabei als Motor der Neugier: Er ermöglicht es uns, Strukturen zu erforschen und abstrakte Konzepte in konkrete Erfahrungen zu übersetzen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der engen neuronalen Kopplung zwischen Hand und Mund: Die Fein- und Griffmotorik ist ein wichtiger Partner der Artikulation. Eine geschickte Hand unterstützt das Gehirn dabei, auch Laute präzise zu formen. In diesem Modul erfahren Sie, wie Störungen in der Handentwicklung den Spracherwerb beeinflussen können und mit welchen gezielten Impulsen wir hier korrigierend eingreifen.
Trotz des kompakten zeitlichen Rahmens ist das Modul hochgradig praxisorientiert. Durch gezielte Übungen und die Methode der Selbsterfahrung lernen Sie, wie Sie die Feinmotorik und die taktile Wahrnehmung Ihrer Patienten nachhaltig verbessern können. Sie erleben direkt, wie manuelle Reize das Nervensystem stimulieren und die Basis für kognitive Erfolge legen.
Wie in allen Modulen der Reihe wird das Wissen durch die Arbeit an Fallbeispielen und das Erstellen individueller Behandlungspläne gefestigt. So stellen wir sicher, dass Sie die NF!T®-Ansätze für die Handfunktion unmittelbar und sicher in Ihren therapeutischen Alltag integrieren können.
Modul Körper: Fundamentale Motorik als Schlüssel zu Sprache und Lernen
Welche Phasen der körperlichen Entwicklung sind entscheidend, damit komplexe Leistungen wie Sprache und Konzentration gelingen? Das Modul Körper bildet mit ca. drei Seminartagen den intensivsten Teil unseres zweiten Fortbildungsblocks. Hier betrachten wir den Körper als das tragende Fundament, auf dem alle höheren kognitiven Fähigkeiten aufbauen.
Unsere therapeutischen Ansätze richten sich an Kinder mit motorischen Entwicklungsverzögerungen sowie Defiziten in der Handlungsplanung und Koordination. Doch die Wirkung geht weit über die reine Bewegung hinaus: Da die Wiederholung motorischer Grundlagen neuronale Bahnen festigt, erzielen wir oft signifikante Fortschritte in der Grammatik, im auditiven Kurzzeitgedächtnis und in der allgemeinen Konzentrationsfähigkeit. Selbst bei Therapien, die scheinbar stagnieren, können diese körperorientierten Impulse den entscheidenden neuen Anstoß geben, um Blockaden zu lösen.
Im Kurs erarbeiten wir die theoretischen Grundlagen und widmen uns intensiv der praktischen Umsetzung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vertiefung unterstützender Handgriffe. In einem geschützten Rahmen schlüpft jeder Teilnehmer abwechselnd in die Rolle des Therapeuten und des „Patienten“. Dabei gilt unser einladendes Prinzip der Freiwilligkeit: Jeder ist herzlich eingeladen, die Übungen am eigenen Körper zu erfahren, doch niemand ist dazu verpflichtet. Diese Selbsterfahrung ermöglicht ein tiefes Verständnis für die Intensität und Wirkung der NF!T®-Körperübungen.
Den Abschluss dieses Moduls bildet der letzte Seminartag, der ganz im Zeichen des Praxistransfers steht. Durch das Besprechen konkreter Fallbeispiele und das gemeinsame Erstellen individueller Behandlungspläne führen wir die Erkenntnisse aus den Modulen Augen, Hände und Körper zusammen. Sie verlassen das Seminar mit einem ganzheitlichen Werkzeugkasten, um Ihre Patienten auf ihrem Weg zur motorischen und sprachlichen Souveränität optimal zu begleiten.